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Anastasia Reiber

Ab wann ist es sinnvoll, ein Musikinstrument zu lernen

und welches?

Expertenbeitrag von Anastasia Reiber, Gründerin und Leiterin von mini.musik - Große Musik für kleine Menschen e.V.

Musik hören, ist eine Sache, Musik selbst zu erzeugen, eine ganz andere. In einem Elternhaus, das erfüllt ist mit Musik, in dem Kinder gerne Lieder siegen und zur Musik tanzen, kommt irgendwann der Gedanke auf, wie schön es wäre, selbst ein Instrument zu spielen. In welchem Alter ist es sinnvoll, mit einem Musikinstrument zu beginnen? Und welches Instrument soll mein Kind erlernen? Diese Fragen möchte ich Ihnen in meinem neuen Beitrag beantworten.

Musikalische Wunderkinder wie Mozart, Anne-Sophie Mutter oder Lang Lang haben schon sehr früh mit dem Erlernen eines Musikinstruments begonnen. Nicht, weil sie damals schon als besonders begabt galten, sondern weil es durchaus möglich ist, mit 4-5 Jahren reif genug zu sein, um sich einem Instrument intensiv zu widmen. Dabei kommt es nicht unbedingt auf das musikalische Gespür an, sondern auf die Geduld, Aufmerksamkeit, Auffassungsgabe, Konzentrationsfähigkeit und Fingerfertigkeit des Kindes. Und: auf den Wunsch des Kindes, ein Instrument zu erlernen!

Doch wie lässt sich bei Kindern der Wunsch nach einem bestimmten Instrument entdecken und wie kann man ihn von einer augenblicklichen Laune unterscheiden?
Kinder, die erste Erfahrungen mit Musik gesammelt haben, zeigen mit der Zeit ganz spontan ihre Vorliebe zum ein oder anderen Instrument. Es mag am Klang liegen, an der Form oder am sinnlichen Erleben vom Material, aus dem das Instrument gebaut ist. Manchmal liegt es auch an der Spielart, der Klangerzeugung. Auch das häufige Hören von Musikrichtungen, bei denen ein Instrument eingesetzt wird, spielt eine Rolle. So entscheidet sich das an klassische Musik gewöhnte Kind anders, als das an Pop oder Jazz gewöhnte Kind. Ein unruhiges Kind wählt wiederum anders als ein ruhiges, ausgeglichenes Kind.

Als Eltern sollten wir dem kindlichen Wunsch nach einem bestimmten Instrument Gehör schenken. Denn an einem selbst erwählten Instrument  hat Ihr Kind länger Freude, bestenfalls begleitet es Ihr Kind ein Leben lang. Wenn Sie nicht sicher sind, welches Instrument aber nun das richtig ist, lassen Sie ihr Kind möglichst viele Instrumente ausprobieren. Es kann in einer Instrumentenvorstellung bei einem Orchester passieren, in einem Kinderkonzert oder auch in der Musikschule in der Früherziehungsgruppe oder an „Tagen der offenen Tür“. In einem einjährigen Schnupperkurs hat Ihr Kind die Möglichkeit, sechs verschiedene Instrumente spielend kennen zu lernen. Dabei wird es einige Wochen in einem Instrument unterrichtet. Solche Kurse nennt man „Instrumentenkarussell“.

Welches Instrument ist „das Richtige“ und ab wie viel Jahren?
Nun ist es soweit: Ihr vierjähriger Sohn will Kontrabass spielen und ihre Tochter ist von der Harfe völlig fasziniert. Was tun? Einige Kriterien helfen Ihnen, die richtige Entscheidung für die Wahl des Instruments zu treffen: Alter des Kindes, die Begabung und körperliche Voraussetzungen, das Durchhaltevermögen und Ihre eigene Bereitschaft, dem Kind beim Üben behilflich zu sein geben Ihnen bereits erste Hinweise.

Instrumente für 3-5 Jährige
Nicht immer sind Kinder für ihr Wunschinstrument schon groß genug. Es gibt aber inzwischen viele Instrumente in kleinen Größen, die für den Einstieg gut geeignet sind. Mit Blockflöte, Klavier, Geige und Cello kann man z. B. schon mit 3-4 Jahren beginnen. Die Blas- und Grifftechnik bei der Blockflöte lässt sich relativ schnell erlernen und das Kind hat schon sehr bald erste Erfolgserlebnisse. Das macht Lust auf mehr! Der Unterricht erfolgt meist in kleinen Gruppen, was wiederum motiviert, denn gemeinsames Musizieren macht Kindern viel Spaß.
Die leichte Tonerzeugung und die Möglichkeit, mehrstimmig zu spielen machen das Klavier besonders attraktiv. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass schon Dreijährige nach einer kurzen Zeit zwar ohne Noten, aber mit beiden Händen einfache Lieder spielen können.
Geige lernen die 3-4 Jährigen nach der Suzuki-Methode (einem Muttersprachenprinzip). Jedoch ist Ausdauer bei diesem Instrument notwendig, da es in der Regel sehr lange dauert, bis man saubere Töne aus dem Instrument hervorzaubern kann. Die intensive Mitarbeit der Eltern ist hier Voraussetzung. Es gibt Geigen in verschiedenen Größen: Achtel,- Viertel- und halbe Geigen, je nach Arm- und Handgröße des Kindes.
Cello ist leichter zu erlernen als Geige. Angst vor der Größe des Instruments ist unangebracht, auch hier gibt es bereits kleine Instrumente.

Instrumente für 6-7 Jährige
Ab sechs Jahren können die Kinder mit Gitarre und Akkordeon beginnen. Mit sieben mit Schlagzeug, Trompete und Horn.
Gitarre gehört zu den meistgespielten und sehr beliebten Instrumenten. Nicht zuletzt wegen ihrer Vielseitigkeit. Mann kann mit dem Instrument Lieder begleiten, in einem Zupforchester spielen, in einer Jazz- oder Rockband. Leicht fällt auch der Umstieg auf Elektrogitarre, die die meisten Teenager so fasziniert.
Akkordeon wird zwar meist in der Volksmusik verwendet, doch es gibt für das Instrument sehr viele Spielstücke in allen Spielrichtungen und das Spiel in einem Akkordeonorchester kann auch sehr viel Spaß machen.
Viele Kinder wünschen sich nichts mehr, als Schlagzeug zu spielen. Hier ist motorische und rhythmische Begabung und gute Koordination wichtig. Man kann das Schlagzeug allmählich erweitern, um den Geldbeutel nicht zu sehr zu belasten.
Bei Trompete und Horn sollte bei Kindern der Zahnwechsel abgeschlossen sein. Eine geschlossene Zahnreihe ist Voraussetzung.

Instrumente für 8-10 Jährige
Wegen der anspruchsvollen Tonerzeugung kann die Oboe erst von Kindern mit ca. neun Jahren gespielt werden.
Klarinette
und Saxophon sind ab acht Jahren erlernbar.
Das Saxophon bietet darüber hinaus den Vorteil, dass es leichter zu erlernen ist als die übrigen Blasinstrumente.
Kontrabass
und Fagott passen wegen ihrer Größe für Kinder ab ca. zehn Jahren.

Kinder brauchen Lust auf ein Instrument

Die Altersangaben sind natürlich nur Richtwerte. Es kommt immer auf die eigene Begabung und körperliche Voraussetzungen an. Wie ich schon anfangs sagte, es gibt keine „unmusikalischen“ Kinder. In jedem steckt ein Musiker! Doch für das erfolgreiche Erlernen einiger Instrumente sind bestimmte Faktoren vom Vorteil. Allen voran, die Lust, ein Instrument zu spielen.
Ein gutes Gehör hilft z. B. beim Erlernen von Geige, Horn oder Saxophon enorm.
Manuelles Geschick und gute Koordinationsfähigkeit von Händen und Füßen sind beim Schlagzeug- und Harfenspiel wichtig. Ein ausgeprägtes Rhythmusgefühl und Koordinationsvermögen sind für das Erlernen von Klavier wichtige Voraussetzungen. Und für alle Blechblasinstrumente gilt: Normaler Zahnwuchs und geschlossene Zahnreihe sind vorausgesetzt.

Beobachten Sie Ihr Kind, wie es mit Musik umgeht. Geben Sie ihm die Chance, Instrumente hautnah kennen zu lernen und sich auf sie einzulassen. Wer weiß, vielleicht haben Sie bereits einen zweiten Lang Lang oder David Garrett zuhause.

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